Kleine feine gesammelte Geschichten rund um „Rubbel die Katz“, Beutelschneider, Geldkatzen, High Heels und Handtaschen für Männer, Kopf oder Zahl führen uns bis zum heutigen Bitcoin-Wallet. Wir sind uns sicher, über diese härtest recherchierten Fakten könnte ihr Euren Freunden humorvoll berichten!

 

Der Ausblick – Was erwartet euch?

Geht mit uns auf die faszinierende Reise des historischen Entstehens des Geldbeutels bzw. der Geldbörse, welche zur Handtasche mutierten – vom funktionalen Ansatz bis zum gehypten Mode-Accessoire. Kleine feine gesammelte Geschichten rund um „Rubbel die Katz“, Beutelschneider, Geldkatzen, High Heels und Handtaschen für Männer, Kopf oder Zahl führen uns bis zum heutigen Bitcoin-Wallet. Wir sind uns sicher, über diese härtest recherchierten Fakten könnte ihr Euren Freunden humorvoll berichten! Für unsere deutschen LeserInnen, wir bieten im Anhang auch ein Glossar, da der eine oder andere Wiener Ausdruck einfach fallen muss!

Unsere „Gschichtln“:

  • Warum es doch die Ösis waren

  • Manche sind wirkliche Beutelschneider / „Rubbel die Katz“

  • Grundformen der Aufbewahrung

    • Das Loch in der Erde – warum heute noch Schätze zu finden sind

    • Die Matratze

    • Almosen- und Spielgeldbeutel, Sparstrumpf

  • High-Heels und Handtaschen sind eigentlich Männersache – geschichtliche Aufarbeitung

  • Kopf oder Zahl - wir hauen es doch am Schädel

  • Wiener Schachtel

  • Wallet, Perseus und Medusa

  • Bist du ein Prepper?

  • Die Amis sind doch härter Trucker Wallet

  • Kartenspiele

  • Geldbörse 2.0 / RFID-NFC, Bitcoin Socken? Ehrlich?

Ötzi – der Steinzeitjäger

Überraschend kam der Tod für unseren Ötzi – angeblich ein Distanzschuss! Der Angreifer lies vom Opfer ab und so wissen wir heute, ca. 5300 Jahre später, dass damals schon ein Beutel für die Aufbewahrung von Feuersteinen u. a. benutzt wurde. Da wir Österreicher den Ötzi für uns reklamieren, dann wohl auch zugleich diese geschichtliche Gegebenheit rund um den ersten „(Geld-)beutel“ Fund.

Diese Beutel wurden zu dieser Zeit an Ledergurten, die um den Körper gebunden wurden, fixiert. Aber auch die Römer und Ägypter waren damals schon dabei – hier eher ein Sack, der an der Hüfte getragen wurde. „Geldsack“ als Begrifflichkeit etablierte sich somit damals schon, heutzutage wird das Wort vortrefflich auf eine andere Personengruppe angewendet.

Beutelschneider

In diesen historischen Zeiten entwickelte sich eine neue Berufsgruppe – Trickdiebe, die mit scharfen Messern die Lande durchstreiften und auf die Gelegenheit warteten, den Träger eines Beutels zu erleichtern. „Reiche“ Adelige setzen damals auf Metallhülsen, die nicht so leicht zu ergattern waren. Und hierbei kamen schon die ersten modischen Ausgestaltungen zutage – ein verstecktes, aber immerhin ein privates Mode-Accessoire ob der reichlichen Verzierungen. In Anlehnung an die späteren Handtaschen gab es hier wohl auch einen Shopping-Bag, der dann auch kleine Goldbarren aufnahm.

Die Geldkatze

Ein Beutel für Ringe, Edelmetallstücke oder ein im Gürtel eingearbeitetes Geldfach, manchmal eine Ausprägung als „Schlauch“. Für diese Art von Geldsack entwickelte sich im Mittelalter auch ein geläufiger Spruch: „Rubbel die Katz“? WTF? Nein, es war nicht gemeint, das Haustier des Kaufmanns zu streicheln!

Versetze dich in diese konkrete Situation– du verhandelst beinhart mit deinem Gegenüber und dir wird klar: „Habe ich überhaupt noch so viel Kohle mit?“. Damals warst du mit Goldmünzen ausgestattet und um festzustellen, ob du noch etwas drauflegen kannst, hast du dann unauffällig die Restbestände deines Vermögens in der Geldkatze ertastet. Also hast du „an der Katz gerubbelt“. Die Aufforderung „Rubbel an der Katze“ bedeutet damals wie heute du sollst „Hinne machen“ – auf Wienerisch – Oida, zah au!

Löcher in der Erde

Die frühe Form des stationären Tresors – du musstest dir nur sicher sein, dass dich niemand beobachtet und du dir merkst, wo das war. Das ist ähnlich wie mit den Passwörtern heutzutage, du brauchst eine Mitschrift – unauffindbar selbstverständlich.

Die Matratze als Tresor für Bares – stationäre Lösung

Der Homo sapiens strebte immer schon nach Sicherheit und dem simplen Überleben – häusliche Einfriedung hat sich als bewährtes Konzept herausgestellt, um finstere Gestalten, die immer noch probieren, an Ihr Erspartes heranzukommen, abzuwehren. Die Matratze als Safe stellt eine Weiterentwicklung des gefüllten Beutels, der Kassetten oder Töpfe dar. Ab einer gewissen Menge an Münzen musste ein neues Konzept ran – die Banken waren erfunden. Banken versprechen zudem mehr Sicherheit vor dem Räubertum und eine Vermehrung der Münzen. Kurz zurückgelehnt und nachgedacht sind wir uns nicht sicher, ob heutzutage dieses Geschäftsmodell in all seinen Facetten noch gleich geblieben ist.

Almosenbeutel – zeig mir, was du nicht hast

Almosenbeutel? Was ist das wieder? Die Strategie der zwei Geldbeutel – Wenn du durch die mittelalterlichen Straßen streifst, durftest du damals auch nicht zeigen, was du wirklich hast. Daher: zweiter Geldbeutel, der nach „nichts“ ausschaut. Auch hier entwickelte sich im Laufe ein Trend als Accessoire, das auch gestaltet werden wollte und Repräsentationszwecken diente.

Spielgeldbeutel – allzeit bereit

Im Mittelalter gab es immer wieder Gelegenheit „Brettspiele“ mit Einsatz zu spielen – die Figuren bzw. Steine hatte man im Geldbeutel einfach mit ein wenig „Barem“ direkt am Körper. Allzeit bereit zur Unterhaltung!

Geldstrumpf aka Sparstrumpf

Eine gestrickte „Röhre“, die die wertvollen Inhalte aufnahm – oft gesichert mit einem Ring oder einem Bügel.

High Heels und Handtaschen sind eigentlich Männersache - Mode-Accessoire für Damen und Herren

Irgendwann in den Jahrhunderten 14. bis 17. gab es viele Männer, die aus rein funktionalen Gründen hohe Schuhe und auch eine „Handtasche“ trugen – eh kloar, das Schwert sollte griffbereit sein. In der Frauenwelt von damals trugen die Damen zunächst ihre Geldbeutel unter/in ihren wallenden Kleidern – mit einer Zugriffsmöglichkeit von außen. Den modischen Trends folgenden (19 Jhd ff) wurden die Kleider immer eng anliegender und daher musste der Geldbeutel aus dem Unterrock außen in Form einer Handtasche, getragen werden. Auch die „lederne“ Geldbörse entstand in den verschiedensten Formen, genutzt als Aufbewahrung für Briefe, persönliche Unterlagen und Münzen.

Zu dieser Zeit entwickelte sich in der Damenwelt ein breites Spektrum an Formen und Farben und verschiedensten Werkstoffen. Ab dem 19. Jahrhundert rückte wieder ein wenig mehr der praktische Nutzen durch (zudem die Hostentaschen erfunden wurden) – Die Geldkatze wurde durch den uns heute bekannten Aufbau – Münzfach, Scheinfach – mit den Brieftaschen ersetzt – ein bis heute auch für Männer unabdingbare Accessoire. Männer tragen ihre Geldbörsen eher in der Gesäß- oder Brusttasche, daher gibt es vornehmlich hierfür ausgestaltete Modelle. Das Portemonnaie passte sich stets den aktuellen Stilrichtungen der Mode an und es kamen auch sehr hochwertige Materialien zum Einsatz (Perlmutt, Gold, Edelsteine, sonstige Edelmetalle).

Seit dem 18. Jahrhundert galt das Portemonnaie außerdem als modisches Accessoire, womit sich die Geldbörsenmode auch stets nach aktuellen Stilrichtungen richtete.

Im 19-20Jhd erforderte die fortschreitende Damenmode auch eine Optimierung hinsichtlich der Handtasche – es entstand die „Clutch“, eine flache, riemenlose Unterarmtasche.

Kopf oder Zahl

Leute handeln nach verschiedenen Prinzipien – die einen „hauen es auf den Schädel“, die anderen „horten es“. Ersteres bedarf nur einer temporären Aufbewahrung in einem Geldbeutel und Geldmünzen hatten schon immer zwei Seiten – Kopf und Zahl. Unalkoholisiert und konzentriert legt man beim Kauf die Seite mit der Zahl auf den Tisch, im Wirtshaus nach ein paar illustren Runden hingegen, handelt man unbedacht und es ist einem egal, ob der andere die Münzen dann gut zählen kann – man „haut es auf den Kopf“.

Die Wiener Schachtel

Mit diesem Ausdruck muss man in Wien ein wenig vorsichtig sein: Eine „Schachtel“ wird oft als Beleidigung für eine ältere Dame verwendet. Aber im Kontext von Etuis und Geldbörsen bezeichnet die Wiener Schachtel ein Kleingeldfach, das meist leicht zugänglich ist und sich wie eine „Schachtel“ entfaltet – Die Münzen sind leichter zugänglich und gut einsehbar.

Wallet, Perseus und Medusa

Wie bekannt kommt ja vieles, wenn nicht alles aus dem Antiken Griechenland! Das griechische Wort „Kibisis“ wird heutzutage im englischen als „WALLET“ übersetzt, andere argumentieren einen deutschen Hintergrund. Aber die griechische Geschichte dahinter ist viel denkwürdiger: Perseus schnitt bekanntlich erweise ja Medusa den Kopf ab und verstaute diesen in einem „Beutel“/“Sack“ – aber das war eher ne blutige Geschichte!

Bist du ein Prepper?

Aus männlicher Sicht sind die allermeisten Damen Prepper bezogen auf ihre Handtaschen – man glaubt einfach nicht, was da alles drinnen ist – aber am Ende sind wir froh, wenn „Frau“ alles dabei hat, was wir Männer vergessen haben. Prepper sind Herrschaften, die sich mittels individueller Vorbereitung auf alle Arten von Katastrophen vorbereiten – wir behandeln mal die abgeschwächte Vorversion, die „stets Vorbereiteten“! Stelle dir folgende Fragen für eine zweckmäßige Bestückung und Auswahl deines Geldbeutels:

  1. Kundenkarten – zähle sie mal durch, überlege, wann du das letzte Mal in dem Club warst – denke über Outsourcing in ein spezielles Etuis nach, für die seltene im Einsatz befindlichen Karten

  2. Personalausweis – in Österreich nicht notwendig

  3. Kreditkarte(n) – entscheide dich für eine

  4. Bargeld – überbewertet – eine seit 5000 Jahren überbewerte Risikoposition

  5. Maestro / Bankomat – hast du nix mit NFC/RFID ein notwendiges Übel

  6. Blutspendeausweis – im Falle des Falles hilft dies ein Stück weiter

  7. ADAC / ÖAMTC Karte – kann einen Urlaub retten

  8. Jahreskarte öffentliche Verkehrsmittel – sehr brauchbar! Vermeide peinliche Situationen und unnötig formale Abläufe

  9. Notfallkontakte – mit mehr Lebenserfahrung eine immer sinnvollere

  10. Führerschein / Zulassungsschein – optional, am besten Mal gleich im Auto lassen 😊        

  11. Eltern – Special – bitte E-Cards an der Frau/am Mann, du wirst überrascht sein, wie oft du die brauchst… Lorenz Böhler Krankenhaus lässt grüßen!

Und als abschließend motivierende Frage zum Tage – überlegt euch jetzt mal gach: Eure Geldbörse wird gestohlen, magst wirklich all den Dingen nachlaufen? Das setzt evtl. nochmals andere Prioritäten! Alternativ kannst du auch Freunde um eine Einladung bitten!

Bekannte andere Formen für Geldtransport

  • Der Aktenkoffer – nicht erst als ein Ex-Finanzminister von Österreich ob seiner Fähigkeiten in der Geldanlage getestet wurde, nein, schon früher ein Symbol aus Gangsterfilmen. Hast du genug Scheine, dann stopft du sie in einen Aktenkoffer.

  • Die Geldrolle ist eher bekannt für den extrovertierten Mann, man zeigt ein Bündel Scheine mit Gummiringerl und steht ab dem Zeitpunkt im Mittelpunkt. Ein Stück konservativer, aber auch beeindruckend ist die Geldspange oder Geldklammer, wenn sie im richtigen Moment „unauffällig“ gezeigt wird!

In Amerika sind sie doch härter – Trucker Wallet

Kellnergeldbörsen oder Bedienungsgeldbörsen sind deutlich größer, besitzen 5-8 Fächer für ungefaltete Geldscheine und meist ein sehr geräumiges Münzfach. Amerika das Land der Größe gibt sich ja im Gegensatz zu den Europäern, nicht mit „kleinen“ Münzen ab – daher gibt es die Trucker Wallets, die nur Scheine aufnehmen und in der Gesäßtasche getragen werden, abgesichert durch eine Kette. Wahre Männer tragen das Kleingeld dann locker in der Hose, wahre Kerle eben. In Texas speziell wird die Kette durch einen Colt ersetzt, Diebsvolk ist da dann eher zurückhaltend!

Die Geldbörse für Trucker war eine Reaktion auf die Einführung von Kreditkarten und eine Antwort auf Tankstellen in ganz Amerika, die Rabatte auf Kraftstoff anboten, wenn man mit Bargeld bezahlte. In einer Zeit, in der es noch keine Geldautomaten gab, brauchten Trucker für ihre langen Fahrten quer durchs Land richtig fette Bargeldstapel, mehr Bargeld, als in eine herkömmliche Brieftasche passte. Unbequem groß wurden diese Brieftaschen an den Gürtel des Truckers gekettet, damit er sie auf dem Sitz neben sich liegen lassen konnte, ohne Angst zu haben, sie (und sein Dieselgeld) versehentlich zurückzulassen.

Kartenspiele

Mal ehrlich? Wie viele Karten braucht der Mensch? Ob Videokellerkarte, Daytona Mitgliedschaft, mehrere Kreditkarten -  sie sammeln sich unauffällig über die Jahre an! Reine Kartenetuis als Basisvariante, die Topmodelle zusätzlich mit Geldspange und zusätzlichen Leckerlies.

Geldbörse 2.0 – NFC / RFID – schneller ausgegeben als man denkt

Eine integrierte Schaltung auf der Kreditkarte oder im Handy – zack, zack, zack und die Kohle ist weg, es geht uns aber mehr um die Usability. Rund um 1970 erfand der Ingenieur Charles Walton. Und da sind wir schon bei den Cyberkriminellen (aka Beutelschneider ohne Messer), die mit hochmoderner Lesetechnologie anrücken. Doch wir sind gewappnet, auch unsere Geldbörse für Damen oder Herren wird mit einem RFID oder NFC Schutz ausgestattet. Auslesen ist nicht mehr. Fingerfertige können immer noch zur physischen Entwendung ran – auch hier wird mit einem zweiten „Faktor“ vorgebaut, PIN Codes und biometrische Freigaben helfen unserer Börse 2.0.

Bitcoin und Wallet – die virtuelle Variante

Die Evolution der Geldbörse geht weiter – was kann es Besseres geben, als Geld nur „virtuell“ zur ständigen Verfügung zu haben? Digitales Geld - sehr bekannt unter dem Namen Bitcoin – geben Sie zu, sie wollten sicher auch „minen“/“schürfen“ - bei den Preisen eines Bitcoins kein Wunder? Anm: Wir erinnern uns an das Konzept des Kapitels „Loch in der Erde“ – ähnlich?

Die folgenden Illustrationen dienen nur zur Verwirrung der geschätzten LeserIn und auch bei den gezeigten Aufbewahrungsorten werden sie keine echten Bitcoins finden. Mit dem Bitcoin Lederwallet allerdings befinden wir uns wieder beim Thema!

Glossar

Wir bedanken uns bei www.janko.at für die köstlichen Übersetzungen

  • Gschichtln - unglaubwürdige Anekdote, Jägerlatein, "er tuat scho wieda a Gschichtl druckn" = "er erzählt schon wieder unglaubwürdige Geschichten"

  • Schachtl - Schimpfwort für eine ältere Frau ("de oide schachtl von der Dreier-Stiagn")

  • "zah an" = "beeile dich, mach schneller"

  • gach - schnell. Von mittelhochdeutsch gach = schnell